Im vergangenen Herbst wurde die Infostation Siemensstadt zum kreativen Lern- und Ausstellungsort: Im Rahmen der Triennale der Moderne nahmen Lerngruppen verschiedener Jahrgänge an einer besonderen Aktionswoche teil. In Zusammenarbeit mit dem Bauhaus-Archiv und der Infostation „Ticket B“ erkundeten die Schüler*innen das UNESCO-Welterbe Siemensstadt – damals und heute, untersuchten die Nahversorgung im Kiez und tauchten in die Ideen der Bauhausarchitektur ein.
Von Montag bis Donnerstag entstanden lebendige Projekte, überraschende Perspektiven und vielfältige Ergebnisse, die im Folgenden vorgestellt werden.
Wusstet ihr, dass ein Teil der Siemensstadt zum UNESCO-Welterbe gehört? Doch was bedeutet das eigentlich – UNESCO-Welterbe – und warum befindet sich so etwas direkt neben unserer Schule?

Mit diesen Fragen hat sich die UNESCO-AG im vergangenen und im aktuellen Schuljahr intensiv beschäftigt. Dabei haben die Schüler*innen recherchiert, was die Siedlung Siemensstadt so besonders macht und welche Ideen des Bauhauses sich in ihrer Architektur widerspiegeln.
Um ihre Erkenntnisse mit der Schulgemeinschaft und den Bewohner*innen des Stadtteils zu teilen, hat die AG einen vertonten Stadtspaziergang entwickelt. In etwa 20 Minuten erfahrt ihr spannende Hintergründe zu Architektur, Geschichte und der Bedeutung des Welterbestatus – direkt vor unserer Haustür.
Die AG Medien hat sich im Zusammenhang mit Siemensstadt mit Audio-Aufnahmen, Field Recordings und Klängen im Stadtraum beschäftigt.

In kleineren Aufnahme-Einheiten und während einer Führung durch Siemensstadt sind dabei Aufnahmen von Natur, Verkehr, Stimmen oder Schritten entstanden. Aus diesen Klängen wurde eine Audioinstallation zusammengestellt, kombiniert mit Rhythmen und Beats, die auch aus den aufgenommen Klängen und Geräuschen generiert wurden.
Im zweiten Schritt wurden diese Klänge auch per App visualisiert und anschließend ausgedruckt, sodass Besucher*innen der Infostation die Möglichkeit haben, diese Klänge mit nach Hause zu nehmen.
Schließlich wurden während der AG und während der Projektpräsentation in der Infostation mit einem Biofeedback-Synthesizer live Klänge aus Naturmaterialen produziert und abgespielt.
Im Wahlpflichtkurs von Frau Müller wurden die Schüler:innen unter Anleitung von Theatermacher*in Pauri Röwert zu den Themen „Macht und Mitbestimmung“ gestalterisch aktiv. Startpunkt war die Auseinandersetzung mit „Adultismus“ – dem ungleichen Machtverhältnis zwischen Erwachsenen und Kindern und Jugendlichen.
Warum ist das ungerecht? Was genau sollte sich verändern? Wo sollten Jugendliche mehr Macht und Mitbestimmung haben? Was müsste sich konkret in Siemensstadt und in der Schule ändern, wenn Jugendliche wirklich mitentscheiden könnten?
Kreative Antworten auf diese großen Fragen fanden die Schüler:innen in gebastelten Objekten, Rauminstallationen, Theaterspielen und schließlich für die Aktionswoche in gedrehten Kurzfilmen und Podcasts. Jede Gruppe entschied selbst, welches Thema sie besonders interessiert und in welchem Format es umgesetzt werden soll. Beispielhafte Produkte waren ein Interview mit dem Dönerverkäufer zum Heraushandeln besser Preise für Schüler:innen, eine animierte alternative Karte von Siemensstadt mit Orten, die es hier für Jugendliche braucht, ein Kurzfilm in den Spandauer „Siemens-Arcaden“ – einem Ort zum Spaßhaben und Abhängen, auch für Jugendliche die kein Geld haben, uvm. Präsentiert wurden die Produkte dem anderen Kulturkurs. Dazu gab es Popcorn und Kakao.
Und nun? Der Plan einer Karaoke-Bar für Schüler:innen, inspiriert durch einen Kurzfilm, wird nun von motivierten Tatkräftigen debattiert und in der Infostation umgesetzt!
Als Beitrag zur Aktionswoche im Rahmen der Triennale der Moderne arbeitete die Klasse 8e zusammen mit der Berliner Poetry Slammerin Eva Matz in der Infostation Siemensstadt in Workshops zum kreativen Schreiben. Die Schüler*innen konnten sich dabei in lockerer Atmosphäre ausprobieren und verschiedene Textsorten nutzen, um ihren ganz persönlichen Gedanken Ausdruck zu verleihen. Am Ende des Workshops, und um die Ergebnisse festzuhalten, wurden ihre kurzen Texte mit Kreidestiften an die Außenfassade geschrieben oder angeklebt. Viele Schüler*innen fanden es sehr spannend, ihre eigenen Gedanken auf diese Art im öffentlichen Raum auszudrücken.
LICHT FÜR ALLE– Bauhausstil in Siemensstadt
Nach dem Ersten Weltkrieg stellte sich eine Generation von Architektinnen und
Architekten eine grundlegende Frage:
Wie kann man gut leben – auch als Arbeiter, auch in der Stadt?
Im Geist des Bauhauses suchten sie nach einer neuen Form des Zusammenlebens.
Licht, Luft und Raum sollten kein Luxus sein, sondern Alltag. In Siemensstadt entstand
ein Modell dafür – klare Linien, funktionale Formen, Wohnraum als Ausdruck von
sozialem Fortschritt.
Wir haben diese Idee mit unserer Kamera neu betrachtet. In unseren Fotos zeigen wir,
wie sich Architektur, Verkehr, Natur und Gesellschaft begegnen – wie sich Formen
verändern, wie Vielfalt sichtbar wird und wie der Bauhaus-Gedanke in unserer
Umgebung weiterlebt.
Hundert Jahre später fragen auch wir uns:
Wie wollen wir heute leben?
Und was bedeutet „gutes Wohnen“ in unserer Zeit?

Den Abschluss der Aktionswoche bildete ein Projekt der Wahlpflichtkurse Englisch 9, die sich intensiv mit Fast Fashion und Überkonsum auseinandergesetzt hatten. Ausgehend von einer Unterrichtsreihe über die ökologischen und sozialen Folgen der Modeindustrie entwickelten die Schüler*innen die Idee, einen schulischen Flohmarkt in der Infostation zu organisieren.
Ziel war es, ein nachhaltiges Versorgungsangebot im Kiez exemplarisch auszuprobieren und zugleich ein sichtbares Zeichen gegen Fast Fashion zu setzen.
Insgesamt nahmen die Schüler*innen 75 Euro ein und spendeten den Betrag an den NABU.
